WMO: Klimakrise beschleunigt sich
Eine neue Analyse der World Meteorological Organization (WMO) zeigt, dass die Erde aktuell ein Rekordniveau an Energieungleichgewicht erreicht hat – ein zentraler Indikator für die Klimakrise.
Unter „Energieungleichgewicht“ versteht man die Differenz zwischen der Energie, die die Erde von der Sonne aufnimmt, und der Energie, die sie wieder ins All abstrahlt. Dieses Gleichgewicht ist durch den menschengemachten Ausstoß von Treibhausgasen stark gestört. Vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger und Entwaldung wird zusätzliche Wärme in der Atmosphäre gehalten.
Laut Bericht ist dieses Ungleichgewicht seit 2005 im Schnitt um etwa 11 Zettajoule pro Jahr gestiegen – eine enorme Energiemenge, die etwa dem 18-fachen des gesamten jährlichen Energieverbrauchs der Menschheit entspricht. Der Großteil dieser überschüssigen Energie (über 90 %) wird von den Ozeanen aufgenommen, während kleinere Anteile die Landmassen, die Atmosphäre und das Schmelzen von Eis beeinflussen.
Die Folgen sind bereits deutlich sichtbar: Die Ozeane erwärmen sich auf Rekordniveau, was wiederum extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Stürme und Überschwemmungen verstärkt. Gleichzeitig trägt die Erwärmung der Meere zum Anstieg des Meeresspiegels und zur Versauerung der Ozeane bei, was marine Ökosysteme massiv belastet. Auch das Abschmelzen von Eisflächen verringert die Reflexionsfähigkeit der Erde (Albedo), wodurch sich die Erwärmung zusätzlich beschleunigt.
Der Bericht hebt hervor, dass die letzten elf Jahre (2015–2025) die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen waren. Diese Entwicklung zeigt, dass sich die globale Erwärmung nicht nur fortsetzt, sondern beschleunigt. Natürliche Klimaschwankungen wie El Niño könnten die Temperaturen kurzfristig noch weiter erhöhen.
UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnet die Situation als globale Notlage. Die Wissenschaft betont, dass dringend Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen notwendig sind, um das Energieungleichgewicht zu stabilisieren. Andernfalls drohen weitreichende Folgen für Gesundheit, Ernährungssicherheit und Ökosysteme weltweit.
Das steigende Energieungleichgewicht ist ein fundamentaler Treiber der Klimakrise. Es macht sichtbar, wie stark das Klimasystem bereits aus dem Gleichgewicht geraten ist – und wie dringend ein Kurswechsel notwendig ist, um irreversible Schäden zu vermeiden.