Studie: Klimawandel hat deutlichen Anteil an Hitzeperiode in Indien

Seit Anfang März 2022 herrschte in Indien und Pakistan sowie in weiten Teilen Südasiens eine langanhaltende Hitze, die im Mai 2022 noch immer nicht abgeklungen war. Der März war in Indien der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen vor 122 Jahren. In Pakistan wurde die weltweit höchste positive Temperaturanomalie im März registriert. Gleichzeitig war der März extrem trocken, mit 62 Prozent weniger Niederschlag als normal in Pakistan und 71 Prozent weniger als normal in Indien, was die Erwärmung der Landoberfläche begünstigte. Die Hitzewelle setzte sich im April fort und erreichte gegen Ende des Monats ihren vorläufigen Höhepunkt. Am 29. April waren 70 Prozent Indiens von der Hitzewelle betroffen.

Zwar sind Hitzewellen in der Jahreszeit vor dem Monsun nicht ungewöhnlich, aber die sehr hohen Temperaturen so früh im Jahr in Verbindung mit trockener Witterung haben zu extremer Hitze mit verheerenden Folgen geführt. Ersten Berichten zufolge gab es in Indien und Pakistan mindestens 90 Todesfälle und bis zu 35% geringere Ernteerträge in Haryana, Uttar Pradesh und Punjab aufgrund der Hitzewelle.

Die frühe und lang anhaltende Hitze betraf vor allem den Nordwesten Indiens und den Süden Pakistans, den so genannten “Brotkorb” des Subkontinents. Gegen Ende April und im Mai erreichte die Hitzewelle auch weitere Küstenregionen und die östlichen Teile Indiens. Es war jedoch die frühe, lang anhaltende und trockene Hitze, die dieses Ereignis von früheren Hitzewellen in diesem Jahrhundert unterscheidet.

Die Hitzewelle hat in Nordpakistan Überschwemmungen durch Gletscherseeausbrüche sowie in Indien Waldbrände ausgelöst. In Indien führte ein Kohlemangel zu Stromausfällen, was die gesundheitlichen Auswirkungen noch verschlimmerte und Millionen von Menschen dazu zwang, ihre Aktivitäten auf den frühen Morgen und den Abend zu beschränken.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat in einer Studie bewertet, inwieweit der vom Menschen verursachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensität dieser Hitzewelle verändert hat. Die Forscher schätzen die Wiederkehrperiode auf etwa 100 Jahre im heutigen Klima mit einer globalen Erwärmung von 1,2°C. Die Ergebnisse von Klimamodellen lassen den Schluss zu, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel diese Hitzewelle heißer und wahrscheinlicher gemacht hat: Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses wie das im Jahr 2022 hat sich heute etwa um den Faktor 30 erhöht.

Mit der künftigen globalen Erwärmung werden Hitzewellen wie diese noch häufiger und heißer werden. Beim Szenario einer globalen Mitteltemperatur von +2 °C wäre eine solche Hitzewelle um einen zusätzlichen Faktor 2-20 wahrscheinlicher und 0,5-1,5 °C heißer als im Jahr 2022.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese frühe Hitzewelle von weit unterdurchschnittlichen Niederschlägen und Luftfeuchtigkeit begleitet war und somit eine trockene Hitzewelle darstellte, wodurch die Luftfeuchtigkeit für die gesundheitlichen Auswirkungen weit weniger wichtig ist als bei Hitzewellen, die später in der Saison und in Küstengebieten auftreten.

Intensivere und häufigere Hitzewellen erreichen bei fortschreitendem Klimawandel in einigen Regionen die Grenzen der Überlebensfähigkeit der Menschen oder überschreiten diese sogar. Um den Verlust von Menschenleben und Lebensgrundlagen zu vermeiden, muss die weitere Erwärmung eingedämmt werden.

Wichtig sind aber auch Anpassungsmaßnahmen an extreme Hitze, die die Sterblichkeit wirksam verringern kann. Hitze-Aktionspläne, die Frühwarnungen und frühzeitige Maßnahmen, Sensibilisierung und Verhaltensänderungen sowie unterstützende öffentliche Dienste beinhalten, können die Sterblichkeitsrate senken. Die Einführung dieser Pläne in Indien ist bemerkenswert und umfasst inzwischen 130 Städte und Gemeinden.

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