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Über 150.000 Jahre Klimageschichte aus dem Eis

Das „European Programme for Ice Coring in Antarctica“ (EPICA), ein europäisches Forschungsprojekt unter Beteiligung von 10 Staaten, ist weltweit führend in der Erforschung des Klimas der Vergangenheit auf Grund von Eisbohrkernen. Doch wie kann man überhaupt aus dem Eis der Antarktis das Klima der letzten 150.000 Jahren ableiten?

Das Prinzip ist recht einfach: Der in der Antarktis fallende Schnee taut wegen der niedrigen Temperaturen nie, stattdessen sammelt er sich auf dem Boden an. Im Inneren der Antarktis gibt es keine Gletscher, so dass der Schnee immer an einer Stelle bleibt und sich Hunderttausende von Jahren auftürmt. Durch den Druck wird dann der Schnee zu Eis, in das Luftblasen eingeschlossen werden.

Anhand dieser Luftblasen kann man die Zusammensetzung der Atmosphäre bestimmen, speziell den Methan- und Kohlendioxidgehalt (direkte CO2-Messungen gibt es erst seit 1958). Außerdem lassen sich Vulkanausbrüche anhand von Staubablagerungen identifizieren. Das Verhältnis zweier Sauerstoffisotope gibt zudem Aufschluss über die Temperatur. Je mehr Sauerstoff-16-Isotope vorhanden sind, desto kälter war es.


Eisbohrkern vom EPICA-Projekt Dome C, Antarktis. (Quelle: Laurent Augustin, CNRS/LGGE, Grenoble, France)

Im Rahmen von EPICA sind für die Forschung vor allem zwei Projekte interessant: An der Station DOME C liegt ein Eisbohrkern bis in eine Tiefe von 3270 m vor. 5 Meter über dem Grund hörte man hier im Dezember 2004 mit den Bohrungen auf. Wegen des hohen Druckes bildet sich an der Grenze von Eis und Fels eine Wasserschicht, die man nicht verunreinigen wollte.

Das zweite Projekt an der Station Kohnen wurde im Januar 2006 in einer Tiefe von 2774 m beendet. Hier ist das Eis geschätzte 150.000 Jahre alt. Das neuste Projekt beschäftigt sich mit dem Eis in Nordgrönland. Hier will man vor allem die warme Periode vor 130.000 bis 115.000 Jahren untersuchen. Damals gab es einen ähnlich starken Anstieg der Treibhausgase wie heute, wobei der Meeresspiegel um schätzungsweise 7 m gestiegen war. Interessant dürfte auch der direkte Vergleich von Eisbohrkernen aus Grönland und der Antarktis sein.


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